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Mittwoch, 26. Februar 2014
Wann hört das mal auf?
frau o., 21:55h
Es ist wieder soweit. Die Zeit des ungezwungenen Beisammenseins, der Albernheiten und kreativen Maskerade ist angebrochen. Im Idealfall eine äußerst lustige und entspannende Jahreszeit. Regional angesiedelt, aber über die Grenzen des Rhein- und sonstigen Landes hinweg bekannt.
Vor einigen Jahren erblickte ich als Kind einer äußerst karnevalistisch veranlagten Mutter und eines, dem Karneval gegenüber äußerst indifferent eingestellten Vaters das luftschlangenverhängte Licht des Rheinlandes. Sobald ich selbständig sitzen und etwas auf dem Kopf tragen konnte, wurde ich zu meinem Geburtstag mit einem neckischen Partyhütchen geschmückt und lustig angemalt. Und fiel mein Ehrentag nicht in die Karnevalszeit, so tat das der guten Laune keinen Abbruch. Im Gegenteil: da gab es ja gleich zwei wunderbare Anlässe, das altersbedingt nur mit einem eingeschränkten eigenen Willen, geschweige denn mit einem eigenen Geschmack ausgestattete Wesen zu karnevalisieren.
Das hat mich geprägt. Jedes Jahr versucht sich der nicht geringe Einfluss meines der Fastnacht eher reserviert gegenüberstehenden Erzeugers derartig durchzusetzen, dass ich mir einrede den Karneval in diesem Jahr einfach zu ignorieren und in keiner Weise daran teilzunehmen. Dieser Gemütszustand hält unterschiedlich lange an.
Es gab ein Jahr, in dem war ich bis zu einem der im Rheinland heiligsten Tage, also bis Weiberfastnacht, felsenfest davon überzeugt, dass mir Karneval dieses Jahr mal gepflegt am Hintern vorbei schaukeln könne. Ich stand morgens ganz normal auf, absolvierte das übliche Körperpflegeprogramm, frühstückte und wollte an mein Tagewerk heran gehen, als mich diese tiefe, nervöse Unruhe ergriff. Ich konnte diese Unausgeglichenheit nicht abschütteln, egal was ich tat. Es half letztendlich nur eins: ich setzte mich ins Auto und fuhr in eines der bekanntesten Geschäfte für Kostümbedarf in Köln und stattete mich mit einer neuen Kurzzeit-Identität aus.
Ich konnte mich noch soweit beherrschen, dass ich sie nicht direkt anbehielt und brachte sie nach Hause. Dort zog ich sie an, fühlte mich angemessen albern und verfremdet und war bereit. Ich war bereit fürs Schunkeln, fürs Bier-aus-schlecht-gespülten-Gläsern-Trinken und Erstmal-ne-gute-Grundlage-Schaffen. Ich war bereit offen auf neue Menschen zuzugehen und sie ganz neu kennenzulernen, denn schließlich waren sie selbst gerade dabei völlig unbekannte Seiten an sich selbst zu entdecken. Niemals war jemand, der noch keinen Alkohol getrunken hat, mental besser auf die Fastnacht eingestellt als ich.
Bis es mir dämmerte. Bis die Dämmerung vom gleißenden Licht der Realität vertrieben wurde. Bis es mir knallhart und schonungslos bewusst wurde: es hatte bereits ohne mich angefangen. Ich hatte den Anschluss verpasst. Ich hatte nicht einmal ein entsprechendes Feierpendant an meiner Seite. Ich saß allein zu Hause, alle Mitbewohner gingen Aktivitäten nichtkarnevalistischer Natur außer Haus nach.
Ich fiel in ein tiefes Loch, das leider nicht mit Konfetti ausgepolstert war. Ich saß mit einer Perücke und einem Piratenkostüm bekleidet stocknüchtern und mutterseelenallein auf dem Teppich und konnte mir die Tränen gerade noch verkneifen. Es war ein Augenblick der Bewusstwerdung und einer wichtigen Erkenntnis. Die Erkenntnis lautete: ich kann mich nicht dagegen wehren. Egal wie lange ich es hinauszögere, egal wie weit ich mich vom Zentrum des Karnevals räumlich und mental entferne, egal welche Gegenmaßnahmen ich treffe - er ist in mir verankert, verwurzelt und angelegt. Er gehört zu mir, der Karneval. Und deshalb werde ich nicht mehr versuchen, ihn aus meinem Leben zu vertreiben. Ich werde ihn gebührend feiern, ihn genießen und auskosten. Nicht unbedingt von Anfang an und bestimmt nicht bis zuletzt, aber ich werde es tun. Jedes Jahr aufs Neue. Denn wenn einem das Schunkeln von einer Elternseite in die Wiege gelegt wurde, kann die unkarnevalistische Seite des erwachsenen Selbst nur eines tun, wenn die jecke Zeit anbricht: geduldig und unverkleidet daneben stehen und abwarten. Oder zu Hause bleiben.
In diesem Sinne: ALAAF!
Vor einigen Jahren erblickte ich als Kind einer äußerst karnevalistisch veranlagten Mutter und eines, dem Karneval gegenüber äußerst indifferent eingestellten Vaters das luftschlangenverhängte Licht des Rheinlandes. Sobald ich selbständig sitzen und etwas auf dem Kopf tragen konnte, wurde ich zu meinem Geburtstag mit einem neckischen Partyhütchen geschmückt und lustig angemalt. Und fiel mein Ehrentag nicht in die Karnevalszeit, so tat das der guten Laune keinen Abbruch. Im Gegenteil: da gab es ja gleich zwei wunderbare Anlässe, das altersbedingt nur mit einem eingeschränkten eigenen Willen, geschweige denn mit einem eigenen Geschmack ausgestattete Wesen zu karnevalisieren.
Das hat mich geprägt. Jedes Jahr versucht sich der nicht geringe Einfluss meines der Fastnacht eher reserviert gegenüberstehenden Erzeugers derartig durchzusetzen, dass ich mir einrede den Karneval in diesem Jahr einfach zu ignorieren und in keiner Weise daran teilzunehmen. Dieser Gemütszustand hält unterschiedlich lange an.
Es gab ein Jahr, in dem war ich bis zu einem der im Rheinland heiligsten Tage, also bis Weiberfastnacht, felsenfest davon überzeugt, dass mir Karneval dieses Jahr mal gepflegt am Hintern vorbei schaukeln könne. Ich stand morgens ganz normal auf, absolvierte das übliche Körperpflegeprogramm, frühstückte und wollte an mein Tagewerk heran gehen, als mich diese tiefe, nervöse Unruhe ergriff. Ich konnte diese Unausgeglichenheit nicht abschütteln, egal was ich tat. Es half letztendlich nur eins: ich setzte mich ins Auto und fuhr in eines der bekanntesten Geschäfte für Kostümbedarf in Köln und stattete mich mit einer neuen Kurzzeit-Identität aus.
Ich konnte mich noch soweit beherrschen, dass ich sie nicht direkt anbehielt und brachte sie nach Hause. Dort zog ich sie an, fühlte mich angemessen albern und verfremdet und war bereit. Ich war bereit fürs Schunkeln, fürs Bier-aus-schlecht-gespülten-Gläsern-Trinken und Erstmal-ne-gute-Grundlage-Schaffen. Ich war bereit offen auf neue Menschen zuzugehen und sie ganz neu kennenzulernen, denn schließlich waren sie selbst gerade dabei völlig unbekannte Seiten an sich selbst zu entdecken. Niemals war jemand, der noch keinen Alkohol getrunken hat, mental besser auf die Fastnacht eingestellt als ich.
Bis es mir dämmerte. Bis die Dämmerung vom gleißenden Licht der Realität vertrieben wurde. Bis es mir knallhart und schonungslos bewusst wurde: es hatte bereits ohne mich angefangen. Ich hatte den Anschluss verpasst. Ich hatte nicht einmal ein entsprechendes Feierpendant an meiner Seite. Ich saß allein zu Hause, alle Mitbewohner gingen Aktivitäten nichtkarnevalistischer Natur außer Haus nach.
Ich fiel in ein tiefes Loch, das leider nicht mit Konfetti ausgepolstert war. Ich saß mit einer Perücke und einem Piratenkostüm bekleidet stocknüchtern und mutterseelenallein auf dem Teppich und konnte mir die Tränen gerade noch verkneifen. Es war ein Augenblick der Bewusstwerdung und einer wichtigen Erkenntnis. Die Erkenntnis lautete: ich kann mich nicht dagegen wehren. Egal wie lange ich es hinauszögere, egal wie weit ich mich vom Zentrum des Karnevals räumlich und mental entferne, egal welche Gegenmaßnahmen ich treffe - er ist in mir verankert, verwurzelt und angelegt. Er gehört zu mir, der Karneval. Und deshalb werde ich nicht mehr versuchen, ihn aus meinem Leben zu vertreiben. Ich werde ihn gebührend feiern, ihn genießen und auskosten. Nicht unbedingt von Anfang an und bestimmt nicht bis zuletzt, aber ich werde es tun. Jedes Jahr aufs Neue. Denn wenn einem das Schunkeln von einer Elternseite in die Wiege gelegt wurde, kann die unkarnevalistische Seite des erwachsenen Selbst nur eines tun, wenn die jecke Zeit anbricht: geduldig und unverkleidet daneben stehen und abwarten. Oder zu Hause bleiben.
In diesem Sinne: ALAAF!
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