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Mittwoch, 19. März 2014
Warum sollte ich das wollen?
frau o., 22:40h
Heute war ich tanken. Voller Vorfreude auf die Verabredung, zu der ich unterwegs war, war dies eine notwendige Erledigung, die auf meinem Weg lag und eben erledigt werden musste. Also, schnell das Benzin einfüllen und rein in die Tanke. Nachdem ich der Benzinfachverkäuferin meine Tanksäulennummer genannt habe, fragte diese mich: "Eine Autowäsche für 10 Euro dazu?".
Ich stutzte kurz und verneinte. Nun treibt mich der Gedanke um, ob es wohl Menschen gibt, die sich spontan zu einer Autowäsche entschließen. Sicher sind die Zeiten, in denen dieser Vorgang der samstäglichen stundenlangen Beschäftigung des deutschen Mannes diente, vorbei. Nicht gänzlich, wie ich anfügen möchte. Denn der deutscheste unserer Nachbarn emigrierte vor einigen Jahrzehnten aus Indien hierher und pflegt diese alte Tradition immer noch. In seiner Einfahrt. Nicht jeden Samstag. Aber wenn, dann samstags. Diese Tatsache verleitet mich hin und wieder zu der Annahme, dass in den 70ern indische Ratgeberliteratur über die Auswanderung nach Deutschland publiziert wurde, in der typisch deutsches Verhalten beschrieben und aus Gründen der reibungslosen Anpassung zur Nachahmung desselbigen geraten wurde.
Bestimmt ist unser Nachbar nicht der einzige, der diese lieb gewonnene Beschäftigung nicht aufgeben möchte.
Für mich persönlich ist der Vorgang des Autowaschens eher ein lästiges Übel, dessen Notwendigkeit sich mir eigentlich nur dann erschließt, wenn ich mich nicht mehr an die Farbe meines Autos erinnern kann. Das letzte Auto, das ich gewaschen habe, wurde danach verkauft. Unsinniger Weise lässt sich ja bekanntlich ein sauberes Fahrzeug leichter verkaufen als ein schmutziges. Man geht ja auch im Anzug ( als Mann ) oder im Kostüm ( als Frau ) zum Bewerbungsgespräch und nicht im Schlafanzug.
Bis ich das nächste Mal ein Auto wasche kann also noch einiges an Zeit ins Land gehen. Es ist denn dann ein Vorgang, der in meine Tagesplanung integriert werden muss. Vorangestellt ist ihm die Frage, wann ich denn Zeit dafür habe. Vernünftiger Weise müsste die Antwort lauten: nie. Denn bevor ich Zeit für so etwas aufbringe, fallen mir noch tausend Dinge ein, für die ich meine Zeit wesentlich sinnvoller verwenden kann. Selbst wenn ich in der fürs Autowaschen veranschlagten Zeit ein Nickerchen machen würde, wäre dies sinnvoller.
Demnach liegt es also wohl auch an meiner Einstellung zu diesem Thema, dass mich die Frage an der Tankstelle so irritierte.
Vielleicht liegt es aber auch nur an der Vielfalt dieser Fragen, die einem täglich im deutschen Einzelhandel begegnen. "Haben Sie eine Kundenkarte? Nein? Möchten Sie eine?", "Haben Sie eine Payback-Karte?", "Möchten Sie noch Imprägnierspray dazu?", "Darf ich nach Ihrer Postleitzahl fragen?"...
NEIN! Ich will einkaufen. Und ich bin geschäftsfähig und dazu in der Lage, selbst einzuschätzen was ich brauche und was nicht. Und wenn ich eine Scheiß-Autowäsche brauche, dann werde ich sie mir holen. Die Frage, ob ich eine brauche, wird nicht das Bedürfnis nach einer solchen in mir wecken.
Einmal hat der Trick des Anpreisens von Dingen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie haben wollte, dann aber doch funktioniert. Auch dabei ging es um einen Waschvorgang. Dessen Sinnhaftigkeit wurde von mir nicht in Frage gestellt, denn ich saß beim Friseur und bekam beim Haare waschen die Frage gestellt: "Möchten Sie eine Spezialpflege?". Ein weiblicher Urinstinkt befahl mir, das Angebot anzunehmen. Die Pflege kam in Gestalt einer sehr angenehmen Kopfhautmassage daher. Eine wahre Wonne. Ich genoss die unerwartete Wellnesseinlage und erfreute mich an ihr. Die Freude hielt den gesamten Friseurbesuch lang an. Bis es an den Bezahlvorgang ging. Seitdem lautet die Antwort "Nein, danke.". Den Friseur habe ich nicht gewechselt. Er hat mich noch nie nach meiner Payback-Karte gefragt.
Ich stutzte kurz und verneinte. Nun treibt mich der Gedanke um, ob es wohl Menschen gibt, die sich spontan zu einer Autowäsche entschließen. Sicher sind die Zeiten, in denen dieser Vorgang der samstäglichen stundenlangen Beschäftigung des deutschen Mannes diente, vorbei. Nicht gänzlich, wie ich anfügen möchte. Denn der deutscheste unserer Nachbarn emigrierte vor einigen Jahrzehnten aus Indien hierher und pflegt diese alte Tradition immer noch. In seiner Einfahrt. Nicht jeden Samstag. Aber wenn, dann samstags. Diese Tatsache verleitet mich hin und wieder zu der Annahme, dass in den 70ern indische Ratgeberliteratur über die Auswanderung nach Deutschland publiziert wurde, in der typisch deutsches Verhalten beschrieben und aus Gründen der reibungslosen Anpassung zur Nachahmung desselbigen geraten wurde.
Bestimmt ist unser Nachbar nicht der einzige, der diese lieb gewonnene Beschäftigung nicht aufgeben möchte.
Für mich persönlich ist der Vorgang des Autowaschens eher ein lästiges Übel, dessen Notwendigkeit sich mir eigentlich nur dann erschließt, wenn ich mich nicht mehr an die Farbe meines Autos erinnern kann. Das letzte Auto, das ich gewaschen habe, wurde danach verkauft. Unsinniger Weise lässt sich ja bekanntlich ein sauberes Fahrzeug leichter verkaufen als ein schmutziges. Man geht ja auch im Anzug ( als Mann ) oder im Kostüm ( als Frau ) zum Bewerbungsgespräch und nicht im Schlafanzug.
Bis ich das nächste Mal ein Auto wasche kann also noch einiges an Zeit ins Land gehen. Es ist denn dann ein Vorgang, der in meine Tagesplanung integriert werden muss. Vorangestellt ist ihm die Frage, wann ich denn Zeit dafür habe. Vernünftiger Weise müsste die Antwort lauten: nie. Denn bevor ich Zeit für so etwas aufbringe, fallen mir noch tausend Dinge ein, für die ich meine Zeit wesentlich sinnvoller verwenden kann. Selbst wenn ich in der fürs Autowaschen veranschlagten Zeit ein Nickerchen machen würde, wäre dies sinnvoller.
Demnach liegt es also wohl auch an meiner Einstellung zu diesem Thema, dass mich die Frage an der Tankstelle so irritierte.
Vielleicht liegt es aber auch nur an der Vielfalt dieser Fragen, die einem täglich im deutschen Einzelhandel begegnen. "Haben Sie eine Kundenkarte? Nein? Möchten Sie eine?", "Haben Sie eine Payback-Karte?", "Möchten Sie noch Imprägnierspray dazu?", "Darf ich nach Ihrer Postleitzahl fragen?"...
NEIN! Ich will einkaufen. Und ich bin geschäftsfähig und dazu in der Lage, selbst einzuschätzen was ich brauche und was nicht. Und wenn ich eine Scheiß-Autowäsche brauche, dann werde ich sie mir holen. Die Frage, ob ich eine brauche, wird nicht das Bedürfnis nach einer solchen in mir wecken.
Einmal hat der Trick des Anpreisens von Dingen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie haben wollte, dann aber doch funktioniert. Auch dabei ging es um einen Waschvorgang. Dessen Sinnhaftigkeit wurde von mir nicht in Frage gestellt, denn ich saß beim Friseur und bekam beim Haare waschen die Frage gestellt: "Möchten Sie eine Spezialpflege?". Ein weiblicher Urinstinkt befahl mir, das Angebot anzunehmen. Die Pflege kam in Gestalt einer sehr angenehmen Kopfhautmassage daher. Eine wahre Wonne. Ich genoss die unerwartete Wellnesseinlage und erfreute mich an ihr. Die Freude hielt den gesamten Friseurbesuch lang an. Bis es an den Bezahlvorgang ging. Seitdem lautet die Antwort "Nein, danke.". Den Friseur habe ich nicht gewechselt. Er hat mich noch nie nach meiner Payback-Karte gefragt.
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