Montag, 10. März 2014
Wie hält man das durch?
Die Fastenzeit ist die Zeit der Wahrheit. Sie trennt die charakterlich schwachen von den starken Menschen. Selig sind die geistig Armen, aber das war eine andere Geschichte.
Ich stelle bei einer ernsthaften Selbstreflexion fest, dass mir selbst auferlegte Entbehrungen sehr schwer fallen. Das Vorhaben, während der Fastenzeit keinen Alkohol zu trinken, wurde nach kurzer Testphase von fünf Tagen wieder eingestellt. Ehrlicher Weise kann ich dann auch gleich zugeben, dass das Vorhaben gar nicht erst in die Tat umgesetzt wurde. Denn in den auf Rosenmontag folgenden fünf Tagen hätte ich wohl sowieso keine berauschenden Flüssigkeiten zu mir genommen. Es gab keine karnevalistisch bedingten Traumata, die diese Abstinenz verursacht hätten. Ich neige trotz meines bisweilen unsteten Lebenswandels und meines schwachen Willens ohnehin nicht dazu, tagtäglich zu trinken. Erstens verspüre ich nicht das Bedürfnis dazu, zweitens ist das bei sozialen Interaktionen hinderlich. Es sei denn, man umgibt sich hauptsächlich mit Personen, die sich ebenfalls in einem permanenten Rauschzustand befinden. Die erreichen bei mir aber in den seltensten Fällen hohe Werte auf der Sympathieskala.
Abgesehen davon erschwert es insgesamt die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, die meisten Arbeitsprozesse ( außer man ist als Alleinunterhalter auf Mallorca, Housesitter oder im höheren Management tätig ) und das Autofahren. Zudem trinke ich viel zu gerne, um mich dem Alkoholismus hinzugeben. Denn letztendlich mündet dieser doch immer in die lebenslange Abstinenz. Und das wäre doch zu schade.

Also, gemäßigter Alkoholgenuss ist mir durchaus geläufig. Seine Bedeutung in meinem Leben erachtete ich jedoch als gering genug, um einen gewissen Zeitraum darauf verzichten zu können. Und darum geht es doch in der Fastenzeit: um den Verzicht.
Weiterhin habe ich verstanden, dass es sich um einen bewussten und echten Verzicht handeln muss. Zu meinen zahlreichen menschlichen Fehlern zählt zwar auch der regelmäßige Selbstbetrug, aber selbst mir ist klar, dass beispielsweise das Vorhaben keine Snickers mehr zu essen kein echter Verzicht ist, wenn eine diagnostizierte Erdnussallergie damit einhergeht. Unter einer Alkoholallergie leide ich nicht, auch wenn ich vor allem in jüngeren Jahren das ein oder andere Mal in einen Zustand geraten bin, der zumindest den Verdacht nahelegte.

Somit war der Alkoholverzicht die logische Antwort auf die Frage "wie könnte ich denn mal bei diesem Fastending mitmachen?". Allein, es fehlt der Wille. Dieses Phänomen ist mir schon öfter begegnet. Zum Beispiel bei Gelegenheiten wie dem Nicht-Rauchen, Nicht-Fleisch-Essen, Nicht-schon-wieder-essen-gehen oder Nicht-so-spät-ins-Bett-gehen. Dies könnte schnell den Eindruck erwecken, dass es mir schwerfällt Dinge zu unterlassen. Damit sich dieser Eindruck nicht verfestigt, sei an dieser Stelle erwähnt, dass es mir mitunter auch schwerfällt, Dinge zu tun. Zum Beispiel früh ins Bett zu gehen, meine Allgemeinbildung zu verbessern, mich mehr um meine Freunde zu kümmern, mehr Sport zu machen und insgesamt ausgeglichener zu sein.
Vielleicht unterscheidet mich dieser Makel von denjenigen, die die Fastenzeit konsequent durchziehen. Wahrscheinlich gibt es auch eine genetisch bedingte Konstitution für die erfolgreiche Teilnahme am Fastenevent. Ich höre schon die Stimmen derer, die freiwillig regelmäßig Fastenkuren unternehmen: "Es ist ganz einfach. Du musst es nur wollen. Und du wirst sehen: sich selbst zu überwinden fühlt sich wunderbar an. Am Ende wirst du stolz auf Dich sein.".
Ja, ja. Das Gefühl ist mir nicht unbekannt. Ich bin zum Beispiel immer wieder stolz auf mich, wenn ich eine ganze Woche von Montag bis Freitag erfolgreich hinter mich gebracht habe, ohne ein Mitglied meiner sozialen Kerngruppe angeschrien zu haben oder bei der Arbeit aus dem Fenster gesprungen zu sein. Ich befürchte aber, dass dies in den Kreisen der Profi-Asketen nicht zu Beifallsstürmen führen würde.

Vielleicht war auch das Ziel zu hoch gesteckt und wie bei anderen Ausdauersportarten auch hilft beim Fasten ein gut durchdachter Trainingsplan. Klein anfangen und sich langsam steigern. Beispielsweise könnte ich erstmal auf eine bestimmte Alkoholsorte verzichten, um nicht vor der Größe der Aufgabe zu kapitulieren. Je länger ich darüber nachdenke, desto realisierbarer erscheint mir diese Vorgehensweise. Ich denke, ich werde es dieses Jahr erstmal so versuchen. Ich verzichte also. Und die Chancen stehen gut, dass ich es durchhalte. Federweißer ist sowieso gerade aus.

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Mittwoch, 26. Februar 2014
Wann hört das mal auf?
Es ist wieder soweit. Die Zeit des ungezwungenen Beisammenseins, der Albernheiten und kreativen Maskerade ist angebrochen. Im Idealfall eine äußerst lustige und entspannende Jahreszeit. Regional angesiedelt, aber über die Grenzen des Rhein- und sonstigen Landes hinweg bekannt.

Vor einigen Jahren erblickte ich als Kind einer äußerst karnevalistisch veranlagten Mutter und eines, dem Karneval gegenüber äußerst indifferent eingestellten Vaters das luftschlangenverhängte Licht des Rheinlandes. Sobald ich selbständig sitzen und etwas auf dem Kopf tragen konnte, wurde ich zu meinem Geburtstag mit einem neckischen Partyhütchen geschmückt und lustig angemalt. Und fiel mein Ehrentag nicht in die Karnevalszeit, so tat das der guten Laune keinen Abbruch. Im Gegenteil: da gab es ja gleich zwei wunderbare Anlässe, das altersbedingt nur mit einem eingeschränkten eigenen Willen, geschweige denn mit einem eigenen Geschmack ausgestattete Wesen zu karnevalisieren.

Das hat mich geprägt. Jedes Jahr versucht sich der nicht geringe Einfluss meines der Fastnacht eher reserviert gegenüberstehenden Erzeugers derartig durchzusetzen, dass ich mir einrede den Karneval in diesem Jahr einfach zu ignorieren und in keiner Weise daran teilzunehmen. Dieser Gemütszustand hält unterschiedlich lange an.
Es gab ein Jahr, in dem war ich bis zu einem der im Rheinland heiligsten Tage, also bis Weiberfastnacht, felsenfest davon überzeugt, dass mir Karneval dieses Jahr mal gepflegt am Hintern vorbei schaukeln könne. Ich stand morgens ganz normal auf, absolvierte das übliche Körperpflegeprogramm, frühstückte und wollte an mein Tagewerk heran gehen, als mich diese tiefe, nervöse Unruhe ergriff. Ich konnte diese Unausgeglichenheit nicht abschütteln, egal was ich tat. Es half letztendlich nur eins: ich setzte mich ins Auto und fuhr in eines der bekanntesten Geschäfte für Kostümbedarf in Köln und stattete mich mit einer neuen Kurzzeit-Identität aus.
Ich konnte mich noch soweit beherrschen, dass ich sie nicht direkt anbehielt und brachte sie nach Hause. Dort zog ich sie an, fühlte mich angemessen albern und verfremdet und war bereit. Ich war bereit fürs Schunkeln, fürs Bier-aus-schlecht-gespülten-Gläsern-Trinken und Erstmal-ne-gute-Grundlage-Schaffen. Ich war bereit offen auf neue Menschen zuzugehen und sie ganz neu kennenzulernen, denn schließlich waren sie selbst gerade dabei völlig unbekannte Seiten an sich selbst zu entdecken. Niemals war jemand, der noch keinen Alkohol getrunken hat, mental besser auf die Fastnacht eingestellt als ich.
Bis es mir dämmerte. Bis die Dämmerung vom gleißenden Licht der Realität vertrieben wurde. Bis es mir knallhart und schonungslos bewusst wurde: es hatte bereits ohne mich angefangen. Ich hatte den Anschluss verpasst. Ich hatte nicht einmal ein entsprechendes Feierpendant an meiner Seite. Ich saß allein zu Hause, alle Mitbewohner gingen Aktivitäten nichtkarnevalistischer Natur außer Haus nach.

Ich fiel in ein tiefes Loch, das leider nicht mit Konfetti ausgepolstert war. Ich saß mit einer Perücke und einem Piratenkostüm bekleidet stocknüchtern und mutterseelenallein auf dem Teppich und konnte mir die Tränen gerade noch verkneifen. Es war ein Augenblick der Bewusstwerdung und einer wichtigen Erkenntnis. Die Erkenntnis lautete: ich kann mich nicht dagegen wehren. Egal wie lange ich es hinauszögere, egal wie weit ich mich vom Zentrum des Karnevals räumlich und mental entferne, egal welche Gegenmaßnahmen ich treffe - er ist in mir verankert, verwurzelt und angelegt. Er gehört zu mir, der Karneval. Und deshalb werde ich nicht mehr versuchen, ihn aus meinem Leben zu vertreiben. Ich werde ihn gebührend feiern, ihn genießen und auskosten. Nicht unbedingt von Anfang an und bestimmt nicht bis zuletzt, aber ich werde es tun. Jedes Jahr aufs Neue. Denn wenn einem das Schunkeln von einer Elternseite in die Wiege gelegt wurde, kann die unkarnevalistische Seite des erwachsenen Selbst nur eines tun, wenn die jecke Zeit anbricht: geduldig und unverkleidet daneben stehen und abwarten. Oder zu Hause bleiben.
In diesem Sinne: ALAAF!

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Freitag, 31. Januar 2014
Wieso bin ich eigentlich so?
Ohne zuviel über mich verraten zu wollen kann ich wohl zugeben, dass ich dem weiblichen Geschlecht angehöre. Allein diese Tatsache gibt mir und meiner Umwelt Tag für Tag so zahlreiche Rätsel auf, dass man auch mal einen Moment innehalten darf um dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Zugegeben - über das Thema wurden bereits Bücher und wahrscheinlich auch Doktorarbeiten verfasst, Lieder geschrieben, Filme gedreht und Kriege geführt. Aber als Betroffene macht man sich ja manchmal ganz gerne seine eigenen Gedanken.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen oder zu gründen. Allein, es wären der Frauen doch zu viele an einem solchen Ort. Denn um das weibliche Gehirn verstehen zu können ist es äußerst hinderlich zu diesem Zwecke ein solches gebrauchen zu müssen. Das soll jetzt nicht frauenfeindlich sein, obwohl ich davon überzeugt bin, dass es frauenfeindliche Frauen gibt. ( Die Erforschung der Ursachen und Ausprägungen dieses Phänomens würde aber wiederum einen eigenen Text füllen. )
Halten wir also fest, dass ich nicht frauenfeindlich bin. Im übrigen auch nicht männer-, ausländer-, kinder-, umwelt-, tier- oder autofeindlich.

Ich halte Frauen keinesfalls für dumm. Wir sind sogar glückliche Besitzerinnen eines überaus funktionsfähigen Gehirns. Auch darüber lässt sich viel nachlesen. Wissenschaftlich erwiesen ist es, dass sich das männliche und das weibliche Denkorgan in Aufbau und Funktionsweise unterscheiden. Über das hämische Gelächter der männlichen Leser hinweg rufe ich aber in die Welt hinaus: das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Sie sind eben verschieden, die Hirne. Wie eben Männer und Frauen auch verschieden sind. Allerdings nicht so verschieden, wie ich immer dachte. Denn als ich einem meiner Mitbewohner die Frage stellte, was er gerade denke, lautete die Antwort "Nichts".
Worauf ich entgegnete: "Ach ja, stimmt. Du bist ja ein Mann."
( Eigentlich ist er erst ein Männlein, aber selbst ein fünfjähriges Exemplar dieser Gattung ist weiblichen Schmeicheleien gegenüber sehr offen. )
Darauf folgte der empörte Ausruf: "Das stimmt nicht! Männer denken auch!".
Diese Meinung teile ich mittlerweile. Sie denken eben nur anders.

Die männliche Denkweise treffend zu beschreiben fällt erstaunlich schwer, denn eigentlich sollte ein so unkomplizierter, ja schlichter Vorgang doch prägnant auf den Punkt zu bringen sein. Geradlinig? Schnörkellos? Zweckorientiert? Lösungsorientiert?

Denn wenn wir Frauen mal ganz ehrlich sind, gibt es nichts schöneres als ein Problem von allen möglichen und unmöglichen Seiten zu beleuchten. Natürlich besteht das Leben glücklicher Weise nicht nur aus Problemen. An dieser Tatsache können auch wir Frauen uns erfreuen, wir sind ja trotz allem auch und vor allem lebensbejahende Wesen, die das Leben an sich sogar aus sich selbst hervorzubringen vermögen.
Wenn sich jetzt aber für längere Zeit kein Problem aufgetan hat und sich am Horizont auch keines abzeichnet, so muss frau hin und wieder doch zumindest einmal darüber nachdenken, was denn jetzt wäre wenn sich dieses oder jenes, bisweilen recht unspezifische Problem einstellen würde. Das kann man auch trefflich mit Geschlechtsgenossinnen besprechen. Selbst der ein oder andere Mann ist dazu in der Lage und deshalb bei Frauen häufig sehr beliebt, aber leider nur zum Reden
( denn wenn beide sich in der weiten Landschaft der Problementwicklung verlieren, bleibt für vieles andere nicht mehr so viel Raum ).
Das Bereden komplexer fiktiver Lebenssachverhalte und das Problematisieren solcher kann auch einen Heidenspass machen, vor allem wenn es sich nicht um die eigenen Lebenskrisen handelt ( dann steigt der Spassfaktor enorm wenn es sich um Realkrisen handelt ).

Der Mann sieht gemeinhin das Problem, überlegt ob er das passende Werkzeug zur Bewältigung im Keller hat oder ob er noch in den Baumarkt fahren muss und fängt an ( entweder mit der Fahrt in den Baumarkt oder direkt mit der Problemlösung ).

Das kann einen irre machen. Ich weiß, wovon ich rede. Manchmal bekommt man Einblicke in die Denkweise von Frauen, die man gar nicht haben wollte ( den Einblick und die Frau, es sei denn man ist ein Mann und steht auf verwirrte Frauen ).
Ein kleines, oberflächliches Beispiel ist mir gerade sehr präsent, so doch vor kurzem erst beim Bäcker real erlebt:

Bäckereifachverkäuferin ( aufgrund ihres geduldigen Auftretens unterstellen wir ihr einfach mal die Fachkompetenz, kürzen das Ganze folgend aber mit BFV ab ): "Was darf's sein?"
Kundin ( NICHT ich, folgend abgekürzt mit K ): "Ich hätte gerne Kuchen."
BFV: "Wieviele Stücke werden es insgesamt?"
K: "Ein Stück Käsekuchen."
BVS nimmt ein für ein Stück Kuchen passendes Papptablett und drapiert darauf geschickt ein Stück Käsekuchen.
K: "Und ein Stück Schwarzwälder Kirsch."
BVS nimmt mit ergebenem Blick ein Papptablett für zwei Stücke Kuchen, lagert den Käsekuchen um und setzt ihm ein Stück Schwarzwälder Kirsch an die Seite.
K: "Ich müsste das dann separat bezahlen."
Der Bewegungsfluss der BVS wird von einem kaum merklichen Zögern unterbrochen, was K zu folgender Zusatzbemerkung veranlasst: "Einpacken können Sie es aber zusammen."
Es folgt der Bezahlvorgang.
BVS: "1,40 €."
K: "Ist das für den Käsekuchen?"
BVS: "Ja." Sie reicht K den Kassenbon rüber.
Der Vorgang wiederholt sich mit dem zweiten Stück, K verlässt mit einem fröhlichen "Danke." und "Auf Wiedersehen!" die Bäckerei.
Ich bestelle ein Brot.

Jetzt mal ehrlich. Sollte ein Mann jemals auf die Idee kommen, für sich und eine zweite Person ein Stück Kuchen zu kaufen ( für einen Kumpel, Nachbarn, Kollegen oder so ), dann würde er reingehen und sagen: "Ich hätt gern zwei Stück Kuchen. Einmal Käsekuchen, einmal Schwarzwälder Kirsch."
Dann würde er bezahlen und gehen. Vielleicht würde er sich unter Umständen sogar das Geld vom abwesenden Nutznießer dieses Aktes für das Stück Kuchen zurück geben lassen ( von einem Kollegen, den er nicht leiden kann, zum Beispiel ), aber sicher ist das nicht. Ansonsten gäbe es bei der Aktion nicht viel zu beobachten.

Manchmal finde ich Männer beruhigend schlicht in ihrer Art. Echt jetzt. Und nun bin sogar ich des Denkens müde. Gute Nacht!

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