Freitag, 31. Januar 2014
Wieso bin ich eigentlich so?
Ohne zuviel über mich verraten zu wollen kann ich wohl zugeben, dass ich dem weiblichen Geschlecht angehöre. Allein diese Tatsache gibt mir und meiner Umwelt Tag für Tag so zahlreiche Rätsel auf, dass man auch mal einen Moment innehalten darf um dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Zugegeben - über das Thema wurden bereits Bücher und wahrscheinlich auch Doktorarbeiten verfasst, Lieder geschrieben, Filme gedreht und Kriege geführt. Aber als Betroffene macht man sich ja manchmal ganz gerne seine eigenen Gedanken.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen oder zu gründen. Allein, es wären der Frauen doch zu viele an einem solchen Ort. Denn um das weibliche Gehirn verstehen zu können ist es äußerst hinderlich zu diesem Zwecke ein solches gebrauchen zu müssen. Das soll jetzt nicht frauenfeindlich sein, obwohl ich davon überzeugt bin, dass es frauenfeindliche Frauen gibt. ( Die Erforschung der Ursachen und Ausprägungen dieses Phänomens würde aber wiederum einen eigenen Text füllen. )
Halten wir also fest, dass ich nicht frauenfeindlich bin. Im übrigen auch nicht männer-, ausländer-, kinder-, umwelt-, tier- oder autofeindlich.

Ich halte Frauen keinesfalls für dumm. Wir sind sogar glückliche Besitzerinnen eines überaus funktionsfähigen Gehirns. Auch darüber lässt sich viel nachlesen. Wissenschaftlich erwiesen ist es, dass sich das männliche und das weibliche Denkorgan in Aufbau und Funktionsweise unterscheiden. Über das hämische Gelächter der männlichen Leser hinweg rufe ich aber in die Welt hinaus: das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Sie sind eben verschieden, die Hirne. Wie eben Männer und Frauen auch verschieden sind. Allerdings nicht so verschieden, wie ich immer dachte. Denn als ich einem meiner Mitbewohner die Frage stellte, was er gerade denke, lautete die Antwort "Nichts".
Worauf ich entgegnete: "Ach ja, stimmt. Du bist ja ein Mann."
( Eigentlich ist er erst ein Männlein, aber selbst ein fünfjähriges Exemplar dieser Gattung ist weiblichen Schmeicheleien gegenüber sehr offen. )
Darauf folgte der empörte Ausruf: "Das stimmt nicht! Männer denken auch!".
Diese Meinung teile ich mittlerweile. Sie denken eben nur anders.

Die männliche Denkweise treffend zu beschreiben fällt erstaunlich schwer, denn eigentlich sollte ein so unkomplizierter, ja schlichter Vorgang doch prägnant auf den Punkt zu bringen sein. Geradlinig? Schnörkellos? Zweckorientiert? Lösungsorientiert?

Denn wenn wir Frauen mal ganz ehrlich sind, gibt es nichts schöneres als ein Problem von allen möglichen und unmöglichen Seiten zu beleuchten. Natürlich besteht das Leben glücklicher Weise nicht nur aus Problemen. An dieser Tatsache können auch wir Frauen uns erfreuen, wir sind ja trotz allem auch und vor allem lebensbejahende Wesen, die das Leben an sich sogar aus sich selbst hervorzubringen vermögen.
Wenn sich jetzt aber für längere Zeit kein Problem aufgetan hat und sich am Horizont auch keines abzeichnet, so muss frau hin und wieder doch zumindest einmal darüber nachdenken, was denn jetzt wäre wenn sich dieses oder jenes, bisweilen recht unspezifische Problem einstellen würde. Das kann man auch trefflich mit Geschlechtsgenossinnen besprechen. Selbst der ein oder andere Mann ist dazu in der Lage und deshalb bei Frauen häufig sehr beliebt, aber leider nur zum Reden
( denn wenn beide sich in der weiten Landschaft der Problementwicklung verlieren, bleibt für vieles andere nicht mehr so viel Raum ).
Das Bereden komplexer fiktiver Lebenssachverhalte und das Problematisieren solcher kann auch einen Heidenspass machen, vor allem wenn es sich nicht um die eigenen Lebenskrisen handelt ( dann steigt der Spassfaktor enorm wenn es sich um Realkrisen handelt ).

Der Mann sieht gemeinhin das Problem, überlegt ob er das passende Werkzeug zur Bewältigung im Keller hat oder ob er noch in den Baumarkt fahren muss und fängt an ( entweder mit der Fahrt in den Baumarkt oder direkt mit der Problemlösung ).

Das kann einen irre machen. Ich weiß, wovon ich rede. Manchmal bekommt man Einblicke in die Denkweise von Frauen, die man gar nicht haben wollte ( den Einblick und die Frau, es sei denn man ist ein Mann und steht auf verwirrte Frauen ).
Ein kleines, oberflächliches Beispiel ist mir gerade sehr präsent, so doch vor kurzem erst beim Bäcker real erlebt:

Bäckereifachverkäuferin ( aufgrund ihres geduldigen Auftretens unterstellen wir ihr einfach mal die Fachkompetenz, kürzen das Ganze folgend aber mit BFV ab ): "Was darf's sein?"
Kundin ( NICHT ich, folgend abgekürzt mit K ): "Ich hätte gerne Kuchen."
BFV: "Wieviele Stücke werden es insgesamt?"
K: "Ein Stück Käsekuchen."
BVS nimmt ein für ein Stück Kuchen passendes Papptablett und drapiert darauf geschickt ein Stück Käsekuchen.
K: "Und ein Stück Schwarzwälder Kirsch."
BVS nimmt mit ergebenem Blick ein Papptablett für zwei Stücke Kuchen, lagert den Käsekuchen um und setzt ihm ein Stück Schwarzwälder Kirsch an die Seite.
K: "Ich müsste das dann separat bezahlen."
Der Bewegungsfluss der BVS wird von einem kaum merklichen Zögern unterbrochen, was K zu folgender Zusatzbemerkung veranlasst: "Einpacken können Sie es aber zusammen."
Es folgt der Bezahlvorgang.
BVS: "1,40 €."
K: "Ist das für den Käsekuchen?"
BVS: "Ja." Sie reicht K den Kassenbon rüber.
Der Vorgang wiederholt sich mit dem zweiten Stück, K verlässt mit einem fröhlichen "Danke." und "Auf Wiedersehen!" die Bäckerei.
Ich bestelle ein Brot.

Jetzt mal ehrlich. Sollte ein Mann jemals auf die Idee kommen, für sich und eine zweite Person ein Stück Kuchen zu kaufen ( für einen Kumpel, Nachbarn, Kollegen oder so ), dann würde er reingehen und sagen: "Ich hätt gern zwei Stück Kuchen. Einmal Käsekuchen, einmal Schwarzwälder Kirsch."
Dann würde er bezahlen und gehen. Vielleicht würde er sich unter Umständen sogar das Geld vom abwesenden Nutznießer dieses Aktes für das Stück Kuchen zurück geben lassen ( von einem Kollegen, den er nicht leiden kann, zum Beispiel ), aber sicher ist das nicht. Ansonsten gäbe es bei der Aktion nicht viel zu beobachten.

Manchmal finde ich Männer beruhigend schlicht in ihrer Art. Echt jetzt. Und nun bin sogar ich des Denkens müde. Gute Nacht!

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